Warum Diäten uns nicht helfen

DIÄT -Das kleine große Wort, das Abhilfe schaffen soll.
Und dann gibt es auch noch sooo viele!
Entschlackungskuren, Low Carb, High Carb, Low Fat, Alkaline Diät, Dukan Diät, Ananasdiät und wie sie alle heißen…
Drei Regale im Buchhandel sind voll davon und welche Diät hilft denn jetzt nun wirklich?! Und ganz ehrlich: Sind Diäten denn das Wundermittel, wie so viele glauben?

Ich will doch abnehmen!

Wie oft höre ich als Trainerin von Leuten, dass sie gerne abnehmen wollen oder einfach Fett loswerden möchten, dass es  ihnen gesundheitlich nicht so gut geht und sie „endlich mal gesund essen“ wollen, denn sicher liege es an der „schlimmen Ernährung“.

Und hier fängt das allgemeine Verständnis unserer Gesellschaft von „gesundem Essen“ schon an.
Gesund zu essen wird immer mit einer Diät gleichgesetzt. Denn gesund zu leben bedeutet für viele Verzicht.

Ach, dann darf ich ja keine Schokolade mehr Essen!

oder

Pommes und Pizza sind ja jetzt tabu.

gehören dann zu den typischen Aussagen.

9 Jahre extremer Essstörung und meine Ausbildung als Fitnesstrainerin haben mir einen ganz anderen Weg und Umgang mit Essen gezeigt.
Eine Diät bedeutet immer Essen zu kategorisieren, aufzuteilen in „gute“ und „schlechte“ Nahrung und dann bestimmte Nahrungsmittel komplett aus der Ernährung zu streichen und andere Nahrung für besonders wichtig zu erklären.
Was wir dabei vergessen? Dass Diäten große Herausforderungen, wenn nicht sogar Gefahren, mit sich bringen:

  • Eine Diät ist zeitlich begrenzt, also völlig anders als eine richtige Ernährungsumstellung und bringt dadurch oft den JoJo Effekt mit sich
  • sie MUSS sogar zeitlich begrenzt sein, da Diäten oft sehr radikale Veränderung in der Essensaufnahme bedeuten und den Körper stressen
  • Mangel an wichtigen Nährstoffen und Vitaminen führt zu Heißhungerattacken, Müdigkeit & verlangsamten Stoffwechsel
  • Stress auf den Körper und im Alltag: alles wird an die Diät angepasst
  • Der Fokus liegt immer auf der Diät, wodurch
    – der Spaß am Essen verloren geht
    – das gemeinschaftliche Essen, wie zum Beispiel der Pizzaabend, kaum noch möglich ist
    – eine Essstörung entstehen kann

Viele wissen, dass Anorexie, Bulimie und Binge Eating bekannte Essstörungen sind. Doch wenige wissen, wieviele Menschen heute tatsächlich unter einer Essstörung leiden! Laut Quellen wie Statista und dem Robert-Koch-Institut sind es bei 17 jährigen Mädchen in Deutschland rund 30%. Eine erschreckende Zahl und vermutlich nicht einmal ganz an der Wahrheit.
Selbst Wettkampfsportler, wie zum Beispiel im Bodybuilding, haben vermehrt Esstörungen, wie ich auch aus privaten Gesprächen weiß, die sich auf ganz unterschiedliche Weise äußern.
Denn je mehr wir darüber nachdenken und restringieren, was wir essen, desto mehr verlieren wir unser Gespür für das, was unser Körper braucht.

Weißt du, was du brauchst?

Gesund essen bedeutet keinesfalls verzichten. Es bedeutet Mengen anzupassen und die Ernährung in Balance zu bringen.
Wie oft habe ich selbst versucht, meine Ernährung auf den Kopf zu stellen, Pizza, Pasta, Brot und Süßes weggelassen, alles fettige verschmäht. Und dann kam die Quittung, mit dauernder Müdigkeit im Training und Alltag, mit büchigen Fingernägeln, langer Regenerationszeit, Krankheitsanfälligkeit und Hungerattacken, die alle guten Vorsätze wieder über Bord warfen.

Nein, Diät ist nicht die Lösung.
Sie ist ein zeitbegrenzter Mehrwert wenn es darum geht dem Körper neue Anreize zu setzen. Für ein paar Tage oder Wochen. Aber mehr auch nicht.
Gesund essen und leben könnte so einfach sein in unserem Wohlstandsland, indem wir das riesige Lebensmittelangebot nutzen und ein Gleichgewicht zwischen Deftigem, Süßem und Obst und Gemüse finden. Es ist wie mit allem: Sport in Maßen ist gesund aber zuviel ist schädlich für Herz, Gelenke und Wohlbefinden. Gift in großen Mengen ist gefährlich, aber in kleinen Mengen auch oft Medizin. Wieso sollte es mit unserer Nahrung anders sein?

Nicht der Zucker, das Fett und die Kohlenhydrate sind gesundheitsschädigend sondern die Mengen, die wir davon in uns reinschaufeln. Wir brauchen die Stoffe in unserem Kreislauf, für die Energiebereitstellung, die Aufnahme von Nährstoffen und so vieles mehr. Warum also diäten?
Wir tun uns damit auf Dauer nichts gutes.

Wie leben wir gesünder?

Ich achte heute einfach mehr darauf, in welchem Verhältnis ich esse. Hatte ich mittags eine leichte Mahlzeit? Klar hab ich dann abends noch Platz für ein Eis oder eine Pizza.
Carb Cycling hilft dabei, wenn ich darauf achte, trotzdem noch Fett zu verlieren und es hilft mir durch meinen sportlichen Alltag. Und auch mal meine Makros zu tracken, wenn ich mir unsicher bin, wieviel ich eigentlich verbrauche und deshalb benötige. Verschiedene Apps dazu habe ich schon im vorletzten Blogpost aufgelistet.

Eine Ernährungsumstellung ist möglich und kann dir Mehrwert bringen. Aber im Gegensatz zu einer Diät baut sich eine Umstellung ganz langsam auf und ist nachhaltig, da sie alltagstauglich ist. Hier geht es darum, vor allem volumenreiche Nahrung zu sich zu nehmen, mit mageren Eiweißlieferanten, hochwertigen Fettsäuren, Kohlenhydraten mit niedrigem glykämischem Index (länger sättigend), um den Blutzucker stabil zu halten, und vermehrt pflanzliche Lebensmittel zu essen. Man lernt, gesunde Lebensmittel auszuwählen, mit hohem Wasser- und Faseranteil, denn sie sättigen, und es können ohne Probleme größere Mengen gegessen werden.
Mal ein Eis hier, Pommes oder Pizza da, bringen dann nicht gleich den ganzen Haushalt durcheinander sondern setzen eventuell sogar noch einen neuen Anreiz für unsere Verdauung.
Wichtig ist vor allem das eine:

Lerne nicht Verzicht. Lerne Balance.

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