Wenn das Leben wieder lebenswert ist – raus aus der Essstörung

„Ich, meine Feindin, und wie ich sie lieben lerne“

Ab meinem 15. Lebensjahr war ich süchtig. Nicht nach Drogen oder  Medikamenten, sondern schlicht nach Essen. Ich war im Teufelskreis Essstörung gefangen und kam nicht mehr raus.

Bulimie und Binge-Eating, davon hatte ich vorher noch nie gehört. Es fing einfach damit an, dass ich mein Leben satt hatte, regelrecht zum kotzen fand, und meinen Körper absolut nicht mochte. Ich hatte an dem einen Tag eine riesige Menge Essen in mich reingestopft und mir war einfach nur schlecht. Das Zeug sollte raus aus meinem Körper. Also tat ich das, was da am besten hilft: Kopf über die Schüssel und raus damit. Und was mir das ganze am einfachsten machte war die Tatsache, dass es eben ohne „Finger-in-den-Hals“- Methode funktionierte.

Ich hatte also damals meinen Ausweg aus dem verhassten Leben gefunden und wurde auch noch dafür gelobt: „Ja, Kind, was du so viel essen kannst, wirklich toll,“ und „Du bist so schlank geworden!“, solche täglichen Aussagen bestärkten mich noch darin, dass ich den Weg gefunden hatte, um es der Welt und mir Recht zu machen.

Aber irgendwann merkst du, dass etwas nicht stimmt, denn dein Körper meldet sich.

Ich hatte enorme Schlafstörungen, war immer müde und abgekämpft, die Füße wurden gar nicht mehr warm, Schwindelanfälle, Bauch- und Halsschmerzen. Und die Symptome wurden mehr. Es wurde auch immer schwerer den Schein nach außen zu wahren, aber um mich jemandem anzuvertrauen schämte ich mich zu sehr.

Ich wollte raus aus diesem Teufelskreis, aber wie?

Schritt 1: Ich gestand mir selbst ein, dass ich krank bin.

Schritt 2: Ich machte mir bewusst, dass ich nicht „schuldig“ bin. Ich hab mich lange gegenüber meinem Körper schuldig gefühlt, aber Schuldgefühle sind hier fehl am Platz, denn Esstörung ist eine Sucht! Du kannst nicht einfach damit aufhören. Aber langsame Schritte führen zum Ziel.

Schritt 3: Ich habe mich jemandem anvertraut. Ja, es ist schwierig und ja, ich brauche unglaubliches Vertrauen zu diesen Menschen. Aber ich bin vor allem glücklich einen Menschen direkt an meiner Seite zu haben, der mich stützt und liebt und mir zeigt, wie wichtig es ist sich selbst zu lieben. Also…

Schritt 4: Liebe Dich selbst! Nur wenn du wirklich gesund werden möchtest und dich liebst, egal, was in deiner Vergangenheit die Essstörung getriggert hat, dann kannst du es schaffen.

Schritt 5: Ich habe vieles ausprobiert, um von der Essstörung wegzukommen und dabei gelernt: Ablenkung ist die beste Methode. Bleib nicht allein zu Hause sondern geh raus und mach Sport, triff dich mit Freunden und nimm dir wieder Zeit für das, was dir Spaß macht.

Schritt 6: Wenn Du unsicher im richtigen Umgang mit Essen bist, dann mach Dir einen Essensplan. Er sollte realistisch sein und gesund, damit Dein Körper wieder gut versorgt ist und Du Dich fitter fühlst. Sag Deiner Familie und Freunden, dass Du Dich gesünder ernähren willst und Dir das echt wichtig ist, damit sie Dich unterstützen können.

Schritt 7: Lege Deine Angst ab. Am Anfang ist es mega schwierig, du wirst nicht jedem gleich Deine Geschichte anvertrauen wollen und wirst immer wieder mit Situationen konfrontiert, die Dich zurückwerfen können. Das ist mir auch passiert, aber ich kämpfe weiter für meinen Weg. Denn es lohnt sich.

Bei mir hat es lange gedauert überhaupt bis Schritt 3 zu kommen und  es war nicht nur schwierig diese Schritte zu gehen, es ist es auch immer noch. Denn ich selbst bin meine größte Feindin,  die ich lieben lerne.

Ich versuche auf meinen Körper zu hören, wenn er sich gut fühlt und wenn er etwas braucht. Ich lerne mich gesund zu ernähren, weil es mir gut tut, aber zwinge meinen Körper nicht dazu. Ich rede mit meinem Lieblingsmenschen über das, was mich bedrückt und nehme dem Seelenfresser Essstörung damit jegliche Grundlage.

Ich weiß, wie lange der Weg in ein lebenswertes Lebensgefühl ist und ich sage bewusst nicht „zurück“, denn das Vergangene hat diese Sucht ja irgendwie ausgelöst. Ich habe mich weiterentwickelt und einen neuen gesunden Lebenweg gefunden, denn ich tue das, was mir Spaß macht und mich zum lachen bringt, denn Lachen macht Dich stark.

Ich hoffe, dass ich Dir mit meiner Geschichte Mut machen kann und Du wieder Energie hast einen gesunden und fitten Lebensweg zu gehen ♥ Wenn du Fragen hast, schreib mir doch gerne einen Kommentar oder eine dm.

Mehr Infos rund um das Thema findet ihr übrigens auch auf dem Blog von Simone Happel.

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